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Der Helferling ein neues Onlineportal

Drucken 22.03.2010, 11:51 Uhr, Psyche und Seelsorge

Onlineberatung-Schnell-unkompliziert

Am Wochenende, hatte ich die Gelegenheit dem Helferling mal ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Herr Joachim Remscheid versucht eine Lücke zu schließen. Er bietet eine Onlineberatung für Menschen an.

GR: Wie sind sie auf den Namen „Helferling“ gekommen?

JR: Ja, das ist schon einige Zeit her. Ich suchte einen passenden Namen um in verschiedensten Internetforen auf zu treten und zu chatten. Mir fiel spontan das „Helferlein“ aus den Walt Disney Taschenbüchern ein. Dort gibt es den Daniel Düsentrieb, einen liebenswerten aber manchmal auf etwas unkonventionellen Wegen zu seinem Ziel kommenden Wissenschaftler, der versucht allen Menschen zu helfen. Mit eine seiner ersten Erfindungen ist ein kleines zusammengeschraubtes Ding, dass ihm in allen Lebenslagen zur Hand geht. Da es dieses „Helferlein„ schon gab, habe ich kurzerhand einen „Helferling“ daraus gemacht, weil ich ja auch irgendwie Hilfestellung geben möchte, wo es denn nötig und möglich ist.

GR: Wo sehen sie ihren Platz zwischen gar nichts tun und Therapeuten suchen?

JR: Ich sehe meinen Platz gerade dazwischen. Viele Menschen sehen ihre Probleme nicht, bzw. halten sich nicht für „psychisch krank“. Vielleicht ist das sogar richtig, was heißt eigentlich „psychisch krank“? Wo liegt genau die Grenze? Im Grunde gibt die Gesellschaft vor, ab wann man psychisch krank ist. Die alte Definition „verrückt sein“ sagt es eigentlich sehr treffend. Wenn man „verrückt“ ist, ist man anders, anders als die Gesellschaft erwartet. Viele Menschen sehen sich nicht als „krank genug“ um sich ärztliche Hilfe zu suchen. Hier komme ich mit meinem Angebot und versuche diese Lücke zu schließen zwischen „gar nichts tun“ und „dem Weg zum Arzt“. Es ist erst mal einfacher sich an den Computer zu setzen und in einem Forum zu schreiben, als sich Adressen von Ärzten zu suchen und Termine zu machen, wenn es denn überhaupt sofort welche gibt. Gerade auf psychiatrischem Gebiet sind die Ärzte, Psychologen, Psychiater und Therapeuten sehr gefragt und es gibt Wartelisten, auf die man sich setzen lassen kann. Um diesem schwierigen Weg zu entgehen biete ich Gespräche an, vielleicht reicht ja ein einfaches Zuhören erst einmal aus. Manchmal braucht es gar nicht die ganze Maschinerie des Gesundheitswesens. Vielleicht reicht es aber auch nicht, dann kann man immer noch weiter sehen und eventuell Hinweise geben in welche Richtung es gehen könnte. Denn eines muss man in aller Deutlichkeit sagen, eine Therapie kann und darf ich auf diesem Wege nicht anbieten...

GR: Was genau bieten sie den Menschen an?

JR: Es gibt Menschen, die haben „ganz kleine Nöte und Probleme“ und kommen damit nicht zurecht, auf der anderen Seite gibt diejenigen, die „große Probleme“ haben und diese bewältigen, als wenn sie zum Alltag gehören würden. Ich sehe mich als Ansprechpartner für beide Gruppen. Um auf die erste Gruppe von Menschen ein zu gehen, auch das kleinste Problem ist groß, wenn man damit nicht zurecht kommt und keinen Zuhörer hat. Die heutige Gesellschaft lässt den einzelnen Menschen gerne alleine mit seinen Problemen und Ängsten. Es ist eine „Ellenbogengesellschaft“, in der man kaum Schwächen zeigen kann, diese werden von anderen direkt ausgenutzt. Es gibt viele Menschen, die sich einfach nicht trauen zum Arzt, sei es Hausarzt, Psychologe oder Psychiater zu gehen und sich ihm an zu vertrauen. Hier möchte ich stehen und dem einzelnen Menschen ein Ohr zum zuhören geben. Gerade das Medium Internet scheint mir dafür prädestiniert zu sein, vielleicht sogar anonym, sich einem „Gegenüber“ zu öffnen und seine Probleme zu äußern.....

GR: Nehmen wir ein konkretes Beispiel.
Ein Mann schreibt Sie an, erzählt von massiven Problemen in seiner Ehe. Ausgelöst durch seinen Alkoholkonsum und den daraus resultierenden Geldmangel. Seine Frau droht mit Scheidung. Wo würden Sie da ansetzen? Wie könnten Sie diesem Mann helfen?

JR: Dies ist meist ein sehr komplexes Problem, dass sich nicht mal eben in einem Gespräch lösen lasst. Meist tauchen in so einem Fall verschiedenste Probleme zusammen auf. Gemeint ist hier die Sucht selber, wie fing es an, gibt es Probleme in der Ehe oder im Beruf, ist vielleicht Gewalt in der Beziehung ein Thema? Hier gibt es einiges zu hinterfragen. Ich würde ihm auf jeden Fall als erste Anlaufstelle nach unserem Gespräch eine Selbsthilfegruppe empfehlen.


GR: Auf welche Erfahrungen und Qualifikationen können sie zurück greifen?

JR: Ich war schon früh im kirchlichen Bereich in der Jugendarbeit tätig. Habe dort erste Erfahrungen im Umgang mit Menschen sammeln dürfen. Als ich Anfang der 90 er Jahre nach einem Bandscheibenvorfall meinen damaligen Beruf nicht mehr ausüben konnte schulte ich zum Ergotherapeuten um. In der Zeit danach arbeitete ich hauptsächlich im neurologischen und psychiatrischen Bereich und konnte in intensivster Weise Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Menschen und den verschiedensten Krankheitsbildern machen. Auch der rege Austausch mit anderen behandelnden Berufsgruppen war sehr interessant und fruchtbar für mich. Dazu kommt, bei Männern darf man ja das Alter nennen, ich kann auf eine 50 jährige Lebenserfahrung zurück greifen.

GR: Mit welchen Krankheitsbildern hatten Sie zu tun? Waren sie klinisch tätig oder hatten Sie eine eigene Praxis? Wie muss man sich Ihren Beruf vorstellen?


JR: Das sind ganz viele Fragen auf einmal. Ich versuche sie nach einander ab zu arbeiten. Ich hatte mit zahlreichen Krankheitsbildern in meinem Berufsleben zu tun. Das zieht sich von neurologischen Erkrankungen, über Hirnorganische Störungen bis zu typischen psychiatrischen Erkrankungen hin. Ich habe z.B. auf einer neurologischen Station in einer Klinik mit dem „apallischenSyndrom“, besser bekannt als Wachkomapatienten zu tun gehabt. Des weiteren gab es dort Hirntumorpatienten, MS-Patienten und Schlaganfallpatienten, die therapeutisch betreut werden mussten. Ein weiteres Arbeitsfeld war seinerzeit eine gerontopsychiatrische Station, auf der Alzheimer Demenz und ähnlich geartete Patienten betreut wurden. Die meiste Zeit meiner Beruflichen Tätigkeit war ich jedoch im ambulanten psychiatrischen Bereich tätig. Hier versorgte ich psychisch kranke Erwachsene über elf Jahre therapeutisch und bot ihnen Hilfestellung auch im beruflichen Sektor.
Auf ihre Frage, ob ich jemals in einer Praxis selbständig therapierte, muss ich verneinen. Ich stand zu Beginn meiner Berufstätigkeit kurzzeitig vor dieser Frage“ selbständig machen oder nicht ?“ Damals bekam ich ein sehr lukratives und therapeutisch interessantes Angebot, dass ich den Gedanken beiseite drängte....aus heutiger Sicht betrachte ich das vielleicht anders. Zu der Zeit kam das Angebot eine Tagesstätte für psychisch kranke Menschen ganz neu auf zu bauen und in stellvertretender leitender Position mit zu wirken...
Ich muss aber noch den letzten Teil ihrer Frage beantworten, „wie muss man sich ihren Beruf vorstellen ?“ Mein Beruf, also der des Ergotherapeuten, ist sehr vielseitig und interessant. Man kann in verschiedenste Richtungen arbeiten. Zum einen kann man mehr in die Physiotherapeutische Richtung tendieren, so habe ich ja in den ersten Jahren gearbeitet. Hiermit ist die Arbeit mit chirurgischen, rheumatologischen und neurologischen Patienten gemeint. Es geht bei dieser Arbeit größtenteils um Wiederherstellung der Bewegungsfähigkeit mit unterschiedlichsten Methoden. Zum anderen gibt es den großen Bereich der Psychiatrie, in dem viel in Gruppen- und Einzeltherapie, sei es als Gesprächsgruppe, Beschäftigungs-therapeutische Gruppe oder Werkgruppe gearbeitet wird. Es gibt aber noch viel mehr Bereiche, in denen Ergotherapie eingesetzt wird, aber ich glaube, das würde hier den Rahmen sprengen. Vielleicht werde ich darüber an anderer Stelle eine Abhandlung schreiben.


GR: Auf ihrer Seite steht „ihre Frau hat massive Probleme“, wann haben sie davon erfahren?

JR: Da muss ich gar nicht lange überlegen.
Das war schon sehr früh, eigentlich in den ersten Gesprächen, die wir führten. Wir haben uns übrigens auch im Internet kennen gelernt, in einem Forum. Aber in keinem, wo es um Krankheiten und dergleichen ging.

GR: Haben Sie in diesem Forum gezielt nach Menschen mit Problemen gesucht? Wenn ja wie haben Sie die entsprechenden Menschen dort gefunden. Genauer wie haben Sie ihre Frau dort entdeckt?


JR: Nein, nein, das war überhaupt gar nicht der Fall, dieser Besuch in dem Forum damals diente lediglich der Freizeitgestaltung, sprich meinem privaten Vergnügen mich mit Menschen zu unterhalten. Und entdeckt habe nicht ich meine Frau, sondern sie mich. Ich bin ihr durch meinen Namen „Helferling“ aufgefallen, den ich ja damals schon hatte.



GR: Also hat Ihre Frau auf diesem Weg nach Hilfe gesucht?

JR: Nein, ich denke eher nicht, sie wurde nur auf den Namen „Helferling“ aufmerksam, weil sie sich fragte wie ein ausgewachsener Mann sich so nennen kann. Zu der Zeit suchte meine Frau eher Zerstreuung und ein Abschalten von ihrem damals sehr stressigen Job und ihrer parallel laufenden Verpflichtung ihren Kindern gegenüber.


GR: Was war ihr erster Gedanke, als sie das gehört haben?

JR: Mein erster Gedanke, ich habe gedacht, der Frau musst du zuhören, die hat viel zu erzählen. Und das, was sie erzählt, ist sehr interessant. Sie können das übrigens selber nachlesen, meine Frau hat ein Buch darüber geschrieben. Aber zurück zu ihrer Frage, natürlich habe ich mir so meine Gedanken gemacht. Ich habe mich sehr für ihre Geschichte interessiert und auch schnell die liebenswerte Frau dahinter gesehen. Über diese anfänglichen Gespräche kamen wir uns näher und seit 2007 ist sie meine Ehefrau.

GR: Ihre Frau hat in einer Gewaltbeziehung gelebt, ist es überhaupt möglich da von einer normalen Beziehung zu sprechen? Würden Sie ihre Ehe als normal bezeichnen, oder steht sie ganz unter dem Zeichen der Vergangenheit?

JR: Das ist eine interessante Frage, die natürlich auch sehr persönlich ist...aber dennoch werde ich sie beantworten, da ich sehr für Authentität bin und ein ehrliches Wort auch meinem Gegenüber schätze. Die Geschichte meiner Frau, die sie ja wie gesagt auch nachlesen können, ich muss hier ein bisschen Werbung für das sehr realistisch und spannend geschriebene Buch machen, ist eine Geschichte, die man nicht mal so eben verarbeiten kann. Meine Frau ist aber auf einem guten Weg dieses Lebenstrauma, wie ich es beteichnen würde, zu verarbeiten. Es wäre einfach falsch zu sagen, die Erlebnisse ihrer Vergangenheit würden unsere Beziehung nicht beeinflussen. Die Anfänge unserer Beziehung waren sehr anstrengend für beide Seiten, für meine Frau, die sich wieder auf einen Mann einlassen musste und auch für mich, der ich sie immer wieder mit meinem Verhalten an irgendwelche alten traumatischen Verhaltensmuster ihrer Vergangenheit erinnerte. Wir sind jetzt seit fünf Jahren zusammen und es hat unzählige Gespräche zwischen uns in dieser Richtung gegeben.


GR: Sie sagen die Anfänge waren anstrengend. Heute spielt dies keine Rolle mehr?


JR: Keine Rolle mehr spielen, das würde ich so nicht sagen. Meine Frau ist auf einem guten Weg diese ganzen Altlasten zu verarbeiten. Aber komplett vergessen kann man so etwas wohl nie. Deshalb spielt es natürlich hin und wieder eine Rolle in unserer Beziehung. Wir sind alle nur Menschen und nicht immer sind die Worte die man sagt vorher dreimal überdacht und wohl überlegt. Also kann es vorkommen, dass alte Muster plötzlich wieder auftauchen und man sich so immer wieder mit alten Geschichten auseinander setzen muss.


GR: Können sie auch ihrer Frau helfen?

JR: Ich denke, dass ich meine Frau bestärken kann, bestärken sich selbst mit ihrer Geschichte aus einander zu setzen. Manchmal reicht nur die bloße Anwesenheit, das hinter einem stehen, den Rücken stärken. Das versuche ich und ich denke, es gelingt mir recht häufig. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man in einer Partnerschaft, bzw. in solch einem System eigentlich nicht „therapeutisch“ arbeiten kann. Das kann und will ich natürlich auch gar nicht. Aber ab und an ist es ganz hilfreich bestimmte Zusammenhänge und Vorgänge vorher erahnen zu können.


GR: Verstehe ich das richtig, Sie denken fremden Menschen helfen zu können, doch im familiären Umfeld ist dies eher nicht möglich?

JR: Ja, das denke ich wirklich und es ist relativ normal, dass man im eigenen „System“ wenig Chancen hat den Überblick zu behalten...
Zu fremden Personen ist einfach ein gewisser „Abstand“ gewahrt. Man schaut sozusagen von außen auf die ganze Sache...

GR: Wenn man immer wieder mit den Problemen und Sorgen anderer Menschen belastet wird, prägt dies nicht? Kommt da nicht der Zeitpunkt an dem man selber ausgebrannt ist und Hilfe benötigt?

JR: Doch, sie haben vollkommen recht. Man muss gut für sich selber sorgen und den nötigen Abstand wahren, wie ich in der letzten Frage schon ausgeführt habe. Aber auch ich kenne diesen Zustand des „ausgebrannt seins“. Vor einigen Jahren stand ich selber an diesem Punkt und habe mich gefragt, „wie geht es weiter?“ Aber es ging weiter und ich bin daran gewachsen, ich sehe das eher positiv, ich kann sagen, ich weiß Bescheid, ich habe selber an dem Punkt gestanden. Heute kann ich andere Menschen vielleicht noch besser verstehen, weil ich selber die Erfahrung gemacht habe, auch wenn sie noch so schwer war.

GR: Sie bekommen viele Geschichten zu hören, erfahren von vielen Schicksalen. Wie verarbeiten Sie diese? Gibt es Schicksale die Sie mehr belasten als andere?

JR: Ich bekomme sehr viele Dinge zu hören. Manche belasten mich mehr, manche weniger, ich kann es eigentlich gar nicht genau fest machen was es ist, was einen manchmal extrem belastet. Eine Sache gibt es, wo ich von vornherein weiß, es wird mich länger belasten als anderes.
Das ist natürlich wieder sehr privat, aber die Leser wird es interessieren
Da ich zu Anfang gesagt habe „ich werde jede ihrer Frage beantworten“, stehe ich natürlich auch hier Rede und Antwort. Ein schwieriges Gebiet für mich ist die Arbeit mit Kindern. Ich fand schon während meiner Ausbildung zum Ergotherapeuten die Arbeit mit Kindern sehr schwierig. Damals habe ich ein Praktikum in einer Tagesstätte für schwerstmehrfachbehinderte Kinder absolviert und diese Tätigkeit brachte mich an Grenzen der Belastbarkeit, ich hatte zu der Zeit selber Kinder in dem Alter und stellte mir dann vor, dass sie eventuell auch in diese Situation kommen könnten, durch Unfall oder ähnliches. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass die Arbeit in diesem Bereich absolut wichtig und notwendig ist. Da mein Berufsbild, wie oben schon ausgeführt, sehr vielseitig ist, konnte ich mir die Richtung meiner Tätigkeit aussuchen und wählte den Fachbereich Psychiatrie, der mich auch heute noch fasziniert.

GR: Gibt es einen Traum den Sie sich noch nicht erfüllt haben?

JR: Natürlich gibt es noch einen Traum, es gibt sogar mehrere, lach....Was wäre der Mensch ohne Träume ? Was wäre das Leben ohne Träume? Einen werde ich ihnen verraten, ich möchte mit meiner Frau in einem Wohnmobil die Welt bereisen. Wann und ob das jemals passiert, wer weiß? Sie fragten nach Träumen...

Ich danke Ihnen für Ihre Offenheit. Ich bin sicher das es einige Menschen geben wird, die dieses Angebot dankbar nutzen werden.


Gabriele Remscheid


Autor / Kontakt:
Frau Gabriele Remscheid
Niederkrüchten
Fon: 02436/382377
URL: http://www.gabriele-remscheid.net

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