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Gibt es ein Leben nach häuslicher Gewalt?

Drucken 08.03.2011, 20:53 Uhr, Psyche und Seelsorge
Wie sieht ein solches Leben aus?


Häusliche Gewalt

ist immer noch ein Tabuthema, jeder schiebt es ganz weit weg:

"Dies passiert doch nur anderen, mir kann so was ja gar nicht passieren..."


Und doch ist es traurige Tatsache das jede vierte Frau in Deutschland mindestens einmal Opfer häuslicher Gewalt war, oder ist.

Gewalt gegen Frauen ist eine Menschenrechtsverletzung.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland sind die Grundrechte "Die Würde des Menschen ist unantastbar" und "Jeder hat ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit" verankert. Ebenfalls in der Verfassung steht die "tatsächliche Verwirklichung der Gleichberechtigung von Mann und Frau". Der Staat verpflichtet sich hierin zur "Beseitigung bestehender Benachteiligungen"

Diesen Text findet man auf der Seite von Gabriele Remscheid. Sie selber war 13 Jahre dieser Gewalt ausgesetzt, um ihre Grundrechte kümmerte sich niemand. Doch darum soll es heute nicht gehen. Sondern wie geht es anschließend weiter? Gewalt beendet und gut ist?

Fast eben so lange wie sie gedauert hat, liegt diese böse Zeit jetzt hinter Frau Remscheid. Dreizehn Jahre, man sollte meinen jetzt ist ein normales Leben wieder möglich. Doch dem ist nicht so. Diese Erfahrungen brennen sich in der Seele ein. Die Betroffenen werden sie nie mehr los. Vermutungen gehen so weit das ein Großteil von Suiziden bei Frauen die Folgen einer solchen Gewaltbeziehung sind.

Studien beweisen, dass Betroffene dem Gesundheitswesen hohe Kosten verursachen. Sie werden arbeitsunfähig, brauchen psychologische Betreuung. Viele bleiben ihr Leben lang arbeitsunfähig und müssen mit wenigen Euro EU Rente auskommen. Eine Rente um die Betroffene hart kämpfen müssen.

Frau Remscheid kämpft jetzt seit über einem halben Jahr. Ein erstes Gutachten, bei einem männlichen Gutachter, befand sie für mindestens 6Stunden täglich arbeitsfähig. Und dies ob wohl dieses Gutachten voller Widersprüche steckt. Der Widerspruch läuft seit Herbst. Der Rententräger besteht auf eine weitere Gutachteruntersuchung. Auf ihre Anfrage hin erfährt sie das nur zehn Prozent aller Gutachter weiblich sind. Damit haben Betroffene schlechte Karten, dass sie wenn nötig an eine Gutachterin verwiesen wird. Frau Remscheid hat das Glück das ihr Mann sie fahren kann, ihren Termin im 50km entfernten Düsseldorf könnte sie sonst nicht wahrnehmen. Einen Termin der allerdings erst im Mai stattfinden wird.

Woran genau leidet Frau Remscheid? Warum möchte sie überhaupt die Rente haben? Sie hat eine Posttraumatische Belastungsstörung, die einher geht mit schweren bis mittelschweren Depressionen. Sogar Suizidgedanken sind ihr nicht fremd. An manchen Tagen ist sie nicht fähig auf zu stehen, Körperpflege zu betreiben. Der Haushalt und alle anfallenden Aufgaben erledigt größtenteils ihr Mann. Soziale Kontakte finden, wenn überhaupt, virtuell statt. Behördengänge, Arztbesuche nur in Begleitung. Große Gesellschaften und Feierlichkeiten meidet sie wenn irgend möglich. Der Gedanke sich um Arbeit zu bewerben oder noch schlimmer zu einem Vorstellungsgespräch zu müssen verursacht ihr Panik.

So wie Frau Remscheid geht es einem Großteil aller Betroffener, doch kaum jemand redet darüber. Frau Remscheid schreibt darüber sehr offen in ihren Büchern und auf ihrer Homepage. Sie kritisiert die mangelnde Hilfe und Verständnis für Betroffene. Sucht das Gespräch mit Frauen die in ähnlichen Situationen waren oder sogar noch sind, versucht ihnen weiter zu helfen. Schon lange spielt sie mit dem Gedanken eine Selbsthilfegruppe zu gründen, doch ihre angst vor realen Kontakten macht ihr dies bisher unmöglich.

Trotzdem ist sie fest entschlossen, sich im Mai den Fragen von Moderatoren zu stellen. Sie wird am sechsten Mai, live in der Sendung „Unter uns“ beim MDR sein. Zum ersten Mal offen vor fremden Menschen reden, mit dem Wunsch auch anderen Betroffenen Mut zu machen, ihr schweigen zu brechen.

Im Herbst wird das zweite Buch voraussichtlich unter dem Titel „Qual der Wahl“ erscheinen. Es befasst sich mit dem Leben kurz nach der Gewalt. Erzählt von den Schwierigkeiten die richtige Entscheidung zu treffen, von Fehlentscheidungen und Sackgassen. Aber auch was diese Gewaltbeziehung mit ihren Kindern gemacht hat.

@GabrieleRemscheid2011


Autor / Kontakt:
Frau Gabriele Remscheid
Wegberg
URL: http://www.gesprengte-fesseln.de

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